Der Rasierhobel – Preiswert und gut rasieren mit Stil

rasierhobel-set

Wie vermutlich die meisten Männer bin auch ich im Laufe meines Lebens einmal auf die Systemrasierer von Gilette und Wilkinson reingefallen. Nicht dass diese schlecht rasieren würden, aber hier wird man ganz klar abgezockt – aus dem Lockangebot mit Rasierer und Ersatzklinge wird ganz schnell ein teurer Spass, sobald man die Klingen nachkaufen muss. Natürlich ist das Rockefellerprinzip nichts Neues, aber die Preise von 20..30 Euro für eine Handvoll Rasierklingen sind mittlerweile völlig aus dem Ruder gelaufen.

Es gibt aber auch den klassischen Rasierhobel, den mittlerweile viele Männer wiederentdecken. Damit rasiert man sich genauso gut wie mit einem Systemrasierer und qualitativ hochwertige Klingen bekommt man schon ab 10..20 Cent.

Plastikhobel

Dabei sollte man keinesfalls den Fehler machen, zu den billigen Plastikhobeln aus dem Supermarkt zu greifen (siehe Bild oben), sondern lieber gleich in einen richtigen Hobel zu investieren, denn da liegen Welten dazwischen.
Böse Menschen behaupten sogar, diese Plastikhobel stünden nur deshalb noch im Supermarkt, damit man nach dem Ausprobieren enttäuscht wieder zum Systemrasierer zurückkehrt.

R89-1

Ein richtiger Hobel aus Metall spielt dagegen in einer ganz anderen Liga und damit macht das Rasieren dann auch nachhaltig Spass. Empfehlenswert sind beispielsweise die Hobel von Mühle oder Merkur – beides deutsche Hersteller, deren Produkte weltweit einen guten Ruf besitzen und die euch jahrzehntelang halten werden.
Selbstverständlich gibt es noch weitere erwähnenswerte Hersteller, aber mit diesen beiden liegt man schon mal garantiert nicht falsch.

Was ist beim Umstieg zum Rasierhobel zu beachten?

Umsteiger von Systemrasierern müssen sich erst einmal an den Umgang mit dem Rasierhobel gewöhnen. Man setzt ihn ganz leicht ohne Druck an und lässt ihn fast von selbst über die Haut gleiten. Dabei ist es empfehlenswert, sich mit der Wuchsrichtung der Barthaare zu rasieren, der richtige Winkel stellt sich dabei schnell von selbst ein.

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Unterhalb des Kinns ändert sich in der Regel die Wuchsrichtung, dort rasiert man dann von unten nach oben. Manche Leute tragen anschliessend noch einmal Schaum auf und machen einen weiteren Durchgang entgegen oder quer zur Wuchsrichtung.

Am Anfang gibt es vielleicht noch den einen oder anderen Schnitt, aber mit wachsender Erfahrung rasiert man sich damit genauso gut und sicher wie mit einem Systemrasierer. Man sollte nur ein paar Dinge beachten:

  • Rasierhobel ohne Druck ansetzen
  • Klingenblock nie seitwärts bewegen (Schnittgefahr)
  • Es gibt keinen 3D-Sensor-Wackelkram, dafür aber das Geschick eurer Finger

Ein weiterer Vorteil des Hobels ist übrigens, dass sich der Zwischenraum zwischen den Klingen nicht so schnell mit Haaren zusetzt. Bei Systemrasierern schien die einzige Innovation der letzten Jahrzehnte darin zu bestehen, ständig immer mehr Klingen auf (begrenztem) Raum unterzubringen. Somit liegen die Klingen natürlich immer dichter aufeinander und es kommt schnell zum erwähnten Zusetzen der Zwischenräume.
Beim Rasierhobel existiert dieses Problem dagegen kaum, denn hier gibt es ja nur eine einzige Klinge. Haar- und Seifenreste werden über die sogenannte Schaumkante abgeführt.

Fazit

Die Hobelrasur hat Stil und macht Spass. Im Gegensatz zu Systemrasierern kauft man sich einmal im Leben einen ordentlichen Rasierer und bekommt anschliessend für kleines Geld exzellente Rasierklingen. Keiner muss mehr wochen- oder monatelang die gleichen abgenutzten Rasierklingen benutzen, weil die Dinger ein Vermögen kosten. Stattdessen wechselt man regelmässig die Klinge und hat jedesmal eine scharfe Rasur.

Natürlich sind auch Double Edge Rasierklingen nicht auf dem gleichen Stand wie vor 100 Jahren stehengeblieben, sondern sind heute erheblich besser als früher. Aber auch hier sind Wilkinson und Gilette längst nicht das Maß der Dinge, sondern haben nur durch die ständige Werbedröhnung für ihre Systemrasierer eine hohe Markenbekanntheit erreicht. Freunde der Hobelrasur bevorzugen in der Regel andere Hersteller, nicht nur des Preises wegen. Gute Rasierklingen bekommt man schon unter 2 Euro / 10 Stück.

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Die hier abgebildeten Klingen sollen keineswegs eine Empfehlung darstellen, die waren zum Zeitpunkt des Fotos gerade in der Schublade bzw. die Packungen noch unbenutzt. Mit der Zeit wird wohl jeder Hobelbesitzer schon allein aus Neugier mehrere Hersteller durchprobieren und eine eigene kleine Sammlung anhäufen.

Eine allgemeingültige Empfehlung, welches denn nun „die beste Klinge“ ist, kann man nicht abgeben, da dies eine stark subjektive Erfahrung ist und natürlich auch vom verwendeten Hobel bzw. Gesicht abhängt.
Zur Zeit gilt die „Feather“ als schärfste DE Rasierklinge (Stand 2015), aber das muss deswegen nicht bedeuten, dass man sich damit auch am besten rasiert oder dass diese Klinge jedem liegt.

 ***

Der richtige Schaum

Auf Knopfdruck aufgeschäumter Dosenschaum ist zwar schnell und bequem, kann von der Qualität her aber nicht mit klassischen Rasierseifen mithalten. Vielleicht ist das der Grund, weshalb die Hersteller ihre Rasierer zusätzlich noch mit einen „Lubra-Strip“ oder Gleitstreifen ausstatten, mit einem guten Schaum aus einer Seife ist so etwas nicht nötig.

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Rasierseifen werden dagegen mit einem Pinsel aufgeschlagen und ergeben einen wesentlich besseren, cremigeren Schaum. Für gewöhnlich befindet sich die Seife in einer Dose oder einem Tiegel, es gibt sie aber auch als Seifenstück oder als Stick, den man einfach über die angefeuchteten Bartstoppeln reibt und anschliessend mit dem Rasierpinsel direkt im Gesicht aufschäumt. Eine Rasiercreme ist im Prinzip ebenfalls eine Seife, nur dass sie halt in einer Tube steckt.

Egal ob man die Seife nun aus einer Plastikdose, einem edlen Porzellantiegel oder direkt im Gesicht aufschäumt: Wichtig ist vor allem, dass man den Bartstoppeln immer ein paar Minuten Zeit zum Einweichen gibt. Deshalb rasieren sich viele Leute gerne nach dem Duschen, wenn die Haut bzw. die Stoppeln schon entsprechend eingeweicht sind.

Rasierseifen gibt es von supergünstig (weniger als 1 Euro) bis hin zu Nobelseifen für 20 Euro und mehr. Da Seifenstücke selbst bei täglicher Rasur ziemlich lange halten, kann man auch ruhig einmal mehr Geld für eine luxuriöse Rasierseife oder einen exklusiven Duft ausgeben. Zum Einstieg oder zum Ausprobieren tut es aber auch schon der einfache Rasierstick aus dem Supermarkt für ca. 75 Cent.

Und was kostet der ganze Spass?

Der teuerste Posten ist sicherlich der Rasierhobel selbst, aber diese Investition tätigt man ja in der Regel nur einmal. Schon ab ca. 30 Euro bekommt man erstklassige Hobel, das entspricht ungefähr dem, was man mittlerweile für eine Handvoll Systemrasiererklingen abdrücken muss.
Selbstverständlich kann man auch weit mehr ausgeben, aber ein Hobel für viele hundert Euro rasiert deswegen nicht automatisch auch besser.

Die Folgekosten bestehen dann nur noch aus dem Nachkauf der Klingen und die sind erfreulich günstig. Gute Klingen gibt es bereits zwischen 1..2 Euro im Zehnerpack und mit einer rasiert man sich im Durchschnitt vielleicht drei bis acht Mal (manche mehr, manche weniger).
Im Internet bekommt man beispielsweise 100 Klingen der Marke Astra für ca. 11 Euro, das ist selbst für Vielrasierer mehr als ein Jahresvorrat. Aber auch in Drogeriemärkten gibt es gute Klingen schon ab 1.29 Euro / 10 Stück, meist handelt es sich um zugekaufte Klingen bekannter Hersteller, die unter der eigenen Hausmarke angeboten werden.
Es gibt natürlich auch teurere Klingen, aber teurer bedeutet hier ebenfalls nicht automatisch gleich besser. Selbst bei täglicher Rasur ist niemand gezwungen, mehr als 5..10 Euro im Jahr für Klingen auszugeben, wenn man das nicht möchte.

Wer gleichzeitig noch auf Rasierseife umsteigt, was ich aufgrund der besseren Eigenschaften stark empfehle, benötigt dafür natürlich auch noch einen Rasierpinsel. Einfache (siehe Bild) gibt es schon ab 4..5 Euro aufwärts, aber da ein Pinsel nicht selten 10 Jahre oder länger hält, lohnt es sich durchaus, gleich etwas mehr Geld in einen höherwertigeren Pinsel investieren.
Das Motto des Blogs heisst jedoch „preiswert und gut rasieren“ und das funktioniert auch schon mit einen einfachen Modell aus dem Drogeriemarkt.

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Vor dem Kauf eines Rasierhobels und Zubehör lohnt es sich natürlich auch mal in Foren zu stöbern, die sich auf Nassrasur spezialisiert haben:

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2 Gedanken zu “Der Rasierhobel – Preiswert und gut rasieren mit Stil

  1. Der Wilkinson Classic Hobel ist m.E. keineswegs so schlecht wie hier dargestellt. Fuer unter 4 Euro bekommt man ihn (mit 5 Klingen!) bereits, das Ergebnis ist hier nach einer gewissen Eingewoehnung keineswegs schlechter als mit einem Muehle R89 oder dem EJ 89. Sicherlich, in der Langlebigkeit wird man Abstriche machen muessen, da das Plastikgewinde wohl nicht mehr als ein Jahr taeglichen Gebrauches ueberstehen wird; fuer den Preis ist das aber zu verschmerzen, und als Reisehobel ist er sicherlich eine exzellente Wahl. Wer aber natuerlich auf „Stil“ Wert legt, kann sich mit ihm nicht so wirklich herausheben. Fuer eine preiswerte Rasur mit gutem Handling (guter Grip, nicht zu leicht, verfuegbar an der naechsten Ecke) taugt er allemal, wenn man erstmal den richtigen Winkel gefunden hat und daran denkt, *haeufig* den Schaum abzuspuelen. FWIW, YMMV etc.

  2. Prompt musste ich beim Lesen an meinen Vater denken, der Anfang der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts froh war, endlich im Besitz eines elektrischen Rasierers zu sein, der ihm garantierte, dass er ohne Schnittverletzungen (und Papiertaschentuchschnipseln am Hals oder im Gesicht) sich auf den Weg zur Arbeit machen konnte. Kein Mensch hätte es damals für möglich gehalten, dass heute die Nassrasur wieder en vogue ist. Aber so ist es ja mit vielen Dingen. „Sand, Seife, Soda“ tut es auch und eine vernünftige Eisenbratpfanne hält ein Leben lang 😉

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