Morakniv oder Mora Messer aus Schweden

Wer auf der Suche nach einem feststehenden Arbeits- oder „Outdoor“ Messer ist, sollte einmal die Mora Messer aus Schweden in Betracht ziehen. Morakniv (früher: Mora of Sweden) ist ein Zusammenschluss zweier Firmen in dem schwedischen Städtchen Mora und weltweit bekannt für seine extrem günstigen, aber qualitativ hochwertigen Messer.

Für die meisten dieser Messer bezahlt man nicht mehr als 10..20 Euro und sie kommen mit einem einfachen Holz- oder Kunststoffgriff daher. Hier ein Morakniv 840 Clipper für €9.99 aus einem nicht näher bezeichneten Baumarkt:

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Das Logo lässt sich einfach mit etwas Nitro-Verdünnung abwischen. Ansonsten handelt es sich um ein ganz normales 840 Clipper in Rot mit Carbonstahlklinge.

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Wie die meisten Moras kommt das 840 Clipper mit einem aufgespritzten Kunststoffgriff daher, der aber selbst bei nassen Händen gut und rutschfrei in der Hand liegt. Der schwarze Teil des Griffs mit dem aufgeprägten Rautenmuster fühlt sich leicht gummiartig an, während die roten Teile aus dem gleichen harten Kunststoff wie die Scheide bestehen.

Die Scheiden der Mora Messer sind ebenso einfach gestaltet wie funktional. Die Messer rasten mit einem leichten „Klick“ in die Scheide ein und sitzen dort ziemlich sicher. Selbst über Kopf stehend lassen sich die Messer nicht einfach so herausschütteln. Auf der Rückseite befindet sich in der Regel ein Gürtelclip, um die Scheide sicher am Gürtel oder an der Hose zu befestigen.

Okay, ein guter Kunststoffgriff, eine billig anmutende, aber funktionale Scheide. Das liegt alles im Rahmen dessen, was man in diesem Preissegment erwarten kann.

Es ist jedoch vor allem der Klingenstahl, denen die Messer ihren Ruf verdanken. Die Stähle der Mora Messer stecken auch wesentlich teurere Messer locker in die Tasche. Das 840 Clipper beispielsweise kommt mit einer Carbonstahlklinge daher, andere Modelle wie das 860 Clipper dagegen mit einer Klinge aus rostfreien Stahl. Daneben gibt es auch Modelle aus „Sandvik Steel“, ein 3lagiger Verbundstahl.

Typisch für Mora Messer ist auch der „Scandi Grind“, also ein „skandinavischer Schliff“. Dabei handelt es sich um einen einfachen Schliff, der von der gesamten Klingenstärke ausgehend ohne Umwege auf Null ausläuft. Schon im Auslieferungszustand sind diese Messer beeindruckend scharf.

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Klingen mit „Skandi-Schliff“ sind nicht nur ausserordentlich robust, sondern auch leicht nachzuschärfen. Dazu legt man einfach den geschliffenen Teil der Klinge plan auf den Schleifstein und führt sie in einer leichten Kurve über den Stein. Da der geschliffene Teil dabei immer plan auf dem Stein aufliegen sollte, merkt man recht schnell, welche Bewegung man dabei ausführen muss. Eigentlich sind diese Messer auch ideal, um das Schleifen zu erlernen.

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Mora Messer sind ausdrücklich als Arbeitsmesser gedacht, für die Werkstatt oder Baustelle, oder wo man im Umgang sonst nicht zimperlich ist. Wer auf teure Messer zum Anschauen und Streicheln steht, liegt mit Moras völlig falsch. Diese Messer sind zum Gebrauch gedacht und falls tatsächlich mal eines kaputt- oder verlorengehen sollte oder der Kollege es partout nicht wiederbringen will, kauft man eben für ~10 Euro ein neues.

Speziell die Carbonstahlversion wird nie wieder so schön glänzend aussehen wie am ersten Tag. Carbonstahl läuft an und bildet eine graue Patina. Das sollte man geschehen lassen, weil das einen leichten Schutz vor Korrosion darstellt. Ausserdem verringert sie auch die Übertragung eines metallischen Geschmacks auf Lebensmittel. Allerdings sollte man ein Carbonstahlmesser nie längere Zeit im Freien liegen lassen, weil es sonst rostet.

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Oben: Nagelneue Carbonstahlklinge. Unten: Graue Patina nach längerem Gebrauch

Natürlich hat Carbonstahl auch ein paar Vorteile gegenüber rostfreiem Stahl: Die Messer lassen sich schnell und leicht nachschärfen und aufgrund des Stahlgefüges ist eine höhere Schärfe erreichbar. Wer schnell eine Patina haben möchte, kann die Klinge einfach mit etwas Essig einreiben.

Survival

Ich bin kein Freund von Survivalmessern. Jedenfalls nicht die Art von „Survival“, die sich dadurch definiert, bei Youtube Messer durch Holzscheite zu treiben (Batoning).
Das geht mit einem Mora natürlich ebenfalls, aber eben nur begrenzt. Bis auf wenige Modelle wie z.B. das Modell „Garberg“ haben die meisten Moras keinen durchgehenden Erl und sind dieser Belastung auf Dauer nicht gewachsen. Ist auch totaler Unsinn, denn um im Notfall ein Feuer zu starten muss niemand armdicke Holzscheite spalten.

Wer dagegen viel draussen unterwegs ist (Jäger, Waldarbeiter, Bauarbeiter oder auch abends am Lagerfeuer mit seinen Kumpels) wird eher die auffälligen Farben schätzen, denn so findet man sein Messer schnell auf dem Waldboden, im Gras, auf der Baustelle oder am Strand wieder.

Fazit: Die Mora Messer sind die tauglichsten feststehenden Messer, die man in diesem Preissegement bekommen kann. Wer sich am Anlaufen des Carbonstahls stört oder viel in feuchtem oder Salzwasserumfeld arbeitet, sollte lieber zur rostfreien Version greifen.

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