Einstieg in die Rasiermesser-Rasur

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Von Rasiermessern ging schon immer eine starke Faszination aus und vermutlich haben viele Männer schon einmal ein Messer ausprobiert und dann aus Frust wieder aufgegeben. Den Umgang mit dem Messer zu erlernen erfordert einige Übung, aber das ist m.E. nicht der Grund, warum der Umstieg oft nicht klappt. In der Regel liegt es daran, dass man ein ungeeignetes oder nicht ausreichend scharfes Messer besitzt.

Oft bekommt man ein altes Rasiermesser vererbt, findet eines auf dem Flohmarkt oder kauft sie sich bei Ebay. Diese Messer sind in der Regel nicht rasurscharf und müssen erst einmal fachmännisch geschärft werden. Rasurscharf bedeutet nicht, dass man ein paar Härchen auf dem Unterarm wegrasieren kann, sondern dass das Messer auch die härteren Barthaare im Gesicht glatt und vor allem angenehm entfernt. Selbst bei neuen Rasiermessern von namhaften Herstellern kann es vorkommen, dass man ein nicht rasurscharfes Messer erhält.

Um ein Rasiermesser wirklich rasurscharf zu bekommen, benötigt man einiges an Können und auch geeignete Schleifsteine. Ein Set an Steinen bis hinauf zu einer Körnung von 10.000 kann schnell mehrere hundert Euro kosten.

Ich rate Einsteigern davon ab, seine Messer selbst zu schärfen, denn man kämpft hier gleich an mehreren Fronten – nämlich das Messer scharf zu bekommen, während man gleichzeitig versucht, den Umgang und das Abziehen des Messers zu erlernen. Das endet für gewöhnlich in Frust oder sogar verschliffenen Messern.
Versucht nicht selbst euer Glück, sondern lasst euer Messer zu Beginn von einem Fachmann schärfen, der auf Rasiermesser spezialisiert ist. Ein solcher Service kostet in der Regel nicht mehr als 10..20 Euro und ihr könnt euch ganz auf das Erlernen der Technik konzentrieren.

Rasiermesser-Imitate

Ein anderer Fallstrick sind untaugliche Messer. Dabei handelt es sich um meist um Imitate von Rasiermessern aus China, Indien, Pakistan etc. Diese sehen zwar aus wie Rasiermesser, bestehen aber aus minderwertigem Stahl und sind komplett unbrauchbar.

Wer auf Ebay etc. ein neues Rasiermesser für 20..30 Euro erwirbt, kann mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen, dass er eine Imitation aus kaum schärfbarem Metall bekommt. Auch wenn das Messer eine Damastklinge und noch so viel tolle Beschriftungen („Solingen“) hat, ist es für diesen Preis mit ziemlicher Sicherheit Schrott. Damast kann man auch aus Dosenblech herstellen und ist kein Garant für guten Stahl.

Ein gutes fabrikneues Rasiermesser bekommt ihr nicht unter 150..200 Euro. Haltet euch beim Neukauf an namhafte Hersteller wie Böker, Dovo, Aust, Wacker oder Koraat, um nur ein paar zu nennen.

 

Streichriemen

Wenn ihr nun also ein wirklich rasurscharf geschliffenes Messer besitzt, benötigt ihr auch noch einen Abziehriemen aus Leder. Ein guter Riemen kostet so um die 50..100 Euro und ist unverzichtbar für die Messerrasur. Vor jeder Rasur wird das Messer mehrere Male mit dem Riemen abgezogen, um den Grat (Wate) aufzurichten.

Dazu hängt ihr den Riemen etwa in Hüfthöhe auf, zieht am Griffstück den Riemen leicht stramm und zieht das Rasiermesser mit dem Klingenrücken voran über die glatte Seite des Leders. Wenn ihr am Ende des Riemens angekommen seit, dreht ihr das Messer über den Klingenrücken hinweg um und zieht das Messer in die andere Richtung.

Der Klingenrücken sollte dabei niemals das Leder verlassen, das vermindert die Gefahr, dass man die Klinge oder den Riemen beschädigt.

Ein Pastenriemen ist normalerweise nicht erforderlich. Mit der unbehandelten, glatten Seite eines Lederriemens kann man ein Messer sehr lange Zeit scharf halten.

 

Rasurvorbereitung

Wenn das Messer rasurscharf ist und ein paar Mal auf dem Leder abgezogen wurde, geht es an die Rasurvorbereitung. Ihr könnt zunächst für ein paar Minuten ein heisses Handtuch auf das Gesicht legen, wie das bei Barbieren üblich ist. Ist nicht unbedingt nötig, aber mit Sicherheit entspannend, nicht nur für die Haut.

Dann bereitet ihr mit etwas warmem bis heissen Wasser euren Rasierschaum zu, ihr benötigt dazu eine Rasierseife und einen Rasierpinsel. Von Schaum in Dosen würde ich abraten, der Schaum von Rasierseifen oder Rasiercremes ist besser geeignet. Dazu schlagt ihr mit dem Rasierpinsel etwas Schaum auf und verteilt ihn im Gesicht. Man braucht keine Schaumberge mit dem Pinsel zu erzeugen, eine einfache Schicht guten Schaums tut es. Wichtig ist auf jeden Fall die Einwirkzeit. Wartet lieber ein paar Minuten und pinselt dann noch einmal nach, bevor ihr das Messer ansetzt.

Das Rasiermesser wird nun um 270° aufgeklappt und so gehalten, dass der Daumen auf dem Erl liegt und die Griffschale zwischen Zeigefinger und Mittelfinger (alternativ auch zwischen Mittel- und Ringfinger).
Ich empfehle, an den Wangen zu beginnen, denn diese sind am einfachsten zu rasieren. Setzt das Messer im Winkel von ungefähr 30° unterhalb der Kotelette an und zieht es ohne viel Druck auf die Haut nach unten.
Es ist übrigens hilfreich, mit der anderen Hand über den Kopf zu greifen und oberhalb der Kotelette anzufassen, um die Haut straffzuziehen. Wem das am Anfang zu kompliziert ist, kanns auch sein lassen. Generell ist es aber hilfreich, mit der einen Hand die Haut etwas zurückzuziehen und sie zu straffen, während man mit der anderen Hand das Messer hält. Junge Leute ohne viel Falten kommen vermutlich ohne diese Technik aus.
Wenn man die ersten paar Züge an der Wange durchgeführt hat, kommt allmählich das Gefühl, wie man das Messer hält. Vermutlich wird es gerade am Anfang etwas Verwirrung geben, wie man das Messer an anderen Gesichtsteilen ansetzt, aber das ist einfach Übungssache und muss ausprobiert werden. Wichtig ist, dass man das Messer ungefähr im 30° Winkel hält und zunächst mit dem Strich der Haare rasiert.

Wenn man nun als Rechts- oder Linkshänder mit seiner bevorzugten Hand erfolgreich die ersten Züge gemeistert hat, stellt sich plötzlich ein Problem, wenn es um die andere Gesichtshälfte geht. Jetzt sollte man das Rasiermesser in die andere Hand nehmen und die andere Gesichtshälfte genauso rasieren. Das ist schwer, aber es lohnt sich, die Benutzung beider Hände gleich von Beginn an zu erlernen. Es gibt zwar Leute, die das ganze Gesicht mit nur einer Hand rasieren, aber optimal ist die Benutzung beider Hände.

Wenn das ganze Gesicht komplett rasiert wurde, könnt ihr noch einen zweiten Durchgang machen. Dazu schäumt ihr das Gesicht wieder ein und rasiert noch einmal gegen den Strich der Barthaare. Wer will, kann auch noch einen dritten Durchgang machen und quer zu den Barthaaren rasieren. Also einmal mit dem Strich, gegen den Strich und quer zum Strich. Das müsst ihr aber selbst entscheiden. Wenn der erste oder zweite Durchgang zufriedenstellend ausfiel und vielleicht ein paar stehengebliebene Stoppeln nachkorrigiert wurden, hört auf mit dem Rasieren. Auch wenns jetzt schwerfällt, weil sich das Ergebnis noch nicht so superglatt anfühlt wie erwartet, irgendwann schadet ihr nur noch eurer Haut. Morgen ist wieder ein Tag und mit der Zeit werdet ihr immer besser.

Zum Abschluss spült man sich die Seifenreste mit kaltem Wasser aus dem Gesicht und trocknet das Gesicht mit einem Handtuch ab, ohne viel zu rubbeln. Anschliessend kann man ein Rasierwasser auftragen, aber das muss nicht zwangsläufig Alkohol enthalten, man kann auch ein Balsam oder ein Öl verwenden.

Nach dem Rasieren wird das Messer vorsichtig trockengewischt und aufgeklappt hingelegt, da in der Schale noch Wassertropfen sein könnten. Die meisten Rasiermesser sind nicht rostfrei. Wer Kinder hat, legt es natürlich ausserhalb ihrer Reichweite ab. Das gleiche empfehle ich auch, wenn man Besuch hat. Manche Besucher können einfach nicht widerstehen und fummeln an eurem empfindlichen Rasiermesser herum, wenn sie es am Waschbeckenrand entdecken.

Alternative zum Rasiermesser: Die Shavette

Die Hürden zur Messerrasur sind hoch. Zunächst einmal muss man etwas Geld für ein wirklich rasurscharfes Messer und einen Lederriemen ausgeben und ausser der richtigen Haltung des Messers beim Rasieren auch noch das Abziehen auf dem Riemen erlernen.
Doch es geht auch einfacher, nämlich mit einer Shavette. Das sind Rasiermesser mit Wechselklinge. Man braucht sich nicht mit der Instandhaltung der Schärfe zu beschäftigen und kann sofort loslegen.

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Von links nach rechts: Türkische Sedef, China-Shavette, noch eine China-Shavette und eine umgelabelte Dovo Shavette

Bis auf die Shavette rechts haben alle nicht mehr als 4 Euro pro Stück gekostet. Die Erbe bzw. Dovo rechts ist etwas teurer, kann aber kurze und auch lange Klingen aufnehmen. Die meisten Shavetten sind jedoch für Double Edge Klingen konzipiert, also ganz normale Rasierklingen, die man in der Mitte zerbricht oder zerschneidet und dann in die Shavette einlegt oder einschiebt. Double Edge Klingen sind sehr günstig und stehen in hoher Auswahl und Qualität zur Verfügung.

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Eine Shavette ist vielleicht nicht so faszinierend wie ein traditionelles Rasiermesser, doch sie ist alles andere als ein zweitklassiger Rasiermesser-Ersatz. Durch die Wechselklingen ist eine Shavette immer kompromisslos scharf und man sollte Vorsicht walten lassen. Aber wer den Umgang mit einer Shavette beherrscht, kann sich auch problemlos mit einem Rasiermesser rasieren.

Wer mit mit dem Gedanken an eine Messer- oder Shavette-Rasur dennoch nicht anfreunden kann, dem empfehle ich einen klassischen Rasierhobel.

 

 

 

 

Dissenter Browser – „The Free Speech Browser“

Vor einiger Zeit habe ich hier die Browser-Erweiterung Dissenter vorgestellt, die es erlaubt, auf jeder beliebigen Webseite zu kommentieren. Inzwischen hat Dissenter noch einen draufgesetzt und einen eigenen Browser veröffentlicht, in dem der Dienst bereits integriert ist. Bei dem Browser handelt es sich um nichts Geringeres als um den bereits bekannten Brave Browser mit kleinen Änderungen.

In diesem Blog geht es um 3 Dinge: Die Dissenter Erweiterung, den Dissenter Browser und den Brave Browser.

Auf die Browser gehe ich weiter unten ein, zunächst einmal soll es um Dissenter selbst gehen. Diese Erweiterung für alle gängigen Browser erlaubt es, ohne Angst vor Zensur auf jeder Webseite zu kommentieren, weltweit. Die Kommentare werden nicht auf der besuchten Webseite gespeichert, sondern auf dem Dissenter Server. Die Kommentare sieht man nicht öffentlich, nur Nutzer von Dissenter können sie lesen und darauf reagieren. Mit einem Klick auf die Erweiterung öffnet sich jederzeit die Kommentarfunktion von Dissenter, hier am Beispiel der Webseite der „tagesschau“.

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Brave Browser mit nachträglich installierter Dissenter Erweiterung

Selbstverständlich entlädt sich auf Dissenter nun der ganze Frust der Leute über die Medien und die Kommentare sind bisweilen ganz schön knackig, aber auch nicht unverdient. Der Journalismus ist in den letzten Jahren nicht nur in Deutschland immer mehr zu Propaganda und Meinungsjournalismus verkommen und wenn die Leser andere Ansichten äusserten, wurden zunehmend auch die Kommentarspalten immer stärker zensiert oder gar ganz abgeschaltet.

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Dissenter Browser mit integrierter Dissenter Kommentarfunktion

Mit Dissenter kann man plötzlich wieder unzensiert seine Meinung äussern, was den Medien natürlich wenig gefällt. In Folge dessen gab es einige Schmierartikel in englischprachigen Medien und die Erweiterung wurde eilig aus den App-Stores von Mozilla, Google, Apple etc. entfernt. Natürlich kann man sie auch manuell herunterladen und installieren, aber technische Laien haben oft keine Lust, sich damit auseinanderzusetzen.

Mit dem Dissenter Browser bekommt man nun den hervorragenden Brave Browser mit vorinstalliertem Dissenter. Alles was man jetzt noch benötigt, ist ein Account bei Gab. Selbstverständlich kann man den Browser auch ohne Gab-Account nutzen, aber dann entgeht einem natürlich die Kommentarfunktion. Wer an der Kommentarfunktion von Dissenter nicht interessiert ist, kann dann auch gleich Brave benutzen.

Was ist der Brave Browser?

Bei Brave handelt es sich um Projekt eines ehemaligen Mozilla-Mitbegründers. Der Browser selbst ist Open Source und basiert auf Chromium. Im Gegensatz zu anderen Browsern wie Firefox, Chrome etc. setzt man hier auf die Privatsphäre des Nutzers und so ist das Blocken von Werbung, Trackern oder Scripten bereits integriert. Selbst eine Anbindung an das anonyme Netzwerk Tor ist vorhanden, wenn man Seiten anonym besuchen oder leidige Ländersperren umgehen möchte.
Brave ist ein sehr ausgereifter Browser und steht anderen Browsern in nichts nach, ganz im Gegenteil. Brave steht für fast alle Betriebssysteme zur Verfügung, lediglich Tor ist zur Zeit dieses Blog-Eintrags noch nicht auf mobilen Geräten implementiert.
Nutzer von Brave müssen Dissenter manuell herunterladen und installieren (eine Sache von wenigen Minuten).

Was ist der Dissenter Browser?

Der Dissenter Browser ist vereinfacht gesagt Brave mit integrierter Dissenter-Erweiterung und leicht geändertem Design. Es handelt sich um einen „Fork“, also eine Gabelung und Fortführung des Projekts zu eigenen Zwecken. Der Hauptzweck ist selbstverständlich, Dissenter einem breiteren Publikum zugänglich zu machen, auf der Basis eines bereits eingeführten und bewährten Browsers.
Der Dissenter Browser hat alle Features von Brave, lediglich das integrierte Bezahlsystem wurde nicht übernommen, das sog. BAT (Basic Attention Token). Dabei handelt es sich um ein eigenes Token-Bezahlsystem, das für die meisten Leute ohnehin uninteressant sein dürfte. Dissenter wird nach meinen aktuellen Infos auf Bitcoin setzen, was auch weitaus interessanter ist.

Hier die Startseite des frisch installierten Dissenter Browsers:

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Statt wie bei Brave die am häufigsten benutzen Webseiten, werden hier mit Dissenter kommentierte Artikel angezeigt. Wer das nicht mag, kann mit dem Menü oben links das Aussehen und Verhalten der Startseite anpassen.

Ein Klick auf das grüne Dissenter Icon oben öffnet jederzeit die Kommentarfunktion. Alles was eine URL hat, kann nun mit Dissenter kommentiert werden. Auch ein Live-Chat steht zur Verfügung. Die „5“ auf dem Glockensymbol zeigt, dass seit meinem letzten Besuch 5 Leute meine Kommentare bewertet oder darauf geantwortet haben. Mein Benutzersymbol habe ich rot ausradiert.

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Rechts neben dem Dissenter Knopf befindet sich das „Shields“ Menü, wie es Benutzer von Brave bereits kennen. Dort kann man die Sicherheitseinstellungen für Webseiten ändern, indem man Scripte, Cookies oder Tracker erlaubt oder blockiert. Das kann man global einstellen oder für jede Webseite individuell.

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Ganz egal ob man nun Brave oder den Dissenter Browser benutzt, die grundlegenden Funktionen sind gleich. Funktionen wie das Blocken von Werbung oder Trackern sind im Browser gleich integriert, man muss nicht erst wie bei anderen Browsern mit Erweiterungen aufrüsten, obgleich das natürlich auch geht. Durch seine Chromium Basis lassen sich Erweiterungen aus dem Chrome Appstore nutzen.

Wird sich Dissenter durchsetzen?

Der Dissenter Dienst ist im März 2019 gestartet und hat dank der Gab Community schon jetzt (Mai 2019) eine grosse Fanbasis im englischsprachigen Raum. Dabei hat natürlich sehr geholfen, dass der Gründer von Dissenter der gleiche ist wie der von Gab, nämlich Free Speech Verfechter Andrew Torba.

Im deutschsprachigen Raum sieht es zur Zeit noch etwas dünn aus, aber ich gehe davon aus, dass sich Dissenter auch hier mit der Zeit allmählich herumsprechen wird.

 

Zum vorherigen Artikel über die Dissenter-Erweiterung

Download des Dissenter Browsers oder der Browser Plugins

Download des Brave Browsers (auch ohne Dissenter empfehlenswert)